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All denen ins Gedächtnis gerufen die es, wie auch ich, selber nicht mehr miterleben mußten und besonders denen die nicht das „Glück“ hatten, es von Zeitzeugen selber erzählt zu bekommen.

„1919 in ihren Friedensverträgen haben die Sieger des ersten Weltkrieges den Wind gesät und so sicher, wie die Nacht dem Tag folgt, im zweiten Weltkrieg den Sturm geerntet. Sie haben nichts gelernt und nichts vergessen, und erfüllt von Neid, Furcht und Habgier, haben sie ihre bösen Taten wiederholt und haben zum zweiten Male den Besiegten Ungerechtigkeiten auferlegt. Also haben sie wiederum Wind gesät und werden wiederum Sturm ernten. Böses erzeugt Böses, und wenn ihr blind seid wie Simson, wenn ihr die Säulen des Hauses eurer Feinde niederreißt, dann werden seine Trümmer euch erschlagen.“
(Der britische General Fuller in seinem Buch „Der zweite Weltkrieg“)

8mai

„Das Unrecht an Deutschland“

Von Dr. jur. et Dr. phil. et Dr. rer. pol. Franz J. Scheidl

Befreiung durch jahrelanges Aushungern, das mindestens 5 Millionen Deutsche nicht überlebten.

Man ließ das amerikanische Volk in Unkenntnis der Tatsache, daß man das deutsche Volk aus Rache der Verzweiflung und dem Hungertod preisgab.“ (F. Utley)

Die Schmach, wie man das deutsche Volk in den Jahren 1945 bis 1949 erbarmungslos dem Hungertod preisgab, ohne auch nur einen Finger zu seiner Hilfe zu rühren, wird als Denkmal amerikanischer Christlichkeit und Humanität in die Geschichte eingehen.

Drei volle Jahre nach der bedingungslosen Unterwerfung Deutschlands machte der Schweizer Nationalrat Rupp eine Studienreise durch Deutschland. Er berichtete über die Lebensverhältnisse in Deutschland im Juni 1948:

Zur gleichen Zeit betrug der Wochenlohn eines deutschen Arbeiters in Köln 23 bis 26 Mark, in Berlin 32 Mark. Während die deutsche Bevölkerung buchstäblich verhungerte, zogen die Besatzungsmächte Zehntausende Tonnen Lebensmittel zum Unterhalt ihrer Truppen aus dem Land. Frankreich schickte zu den 100 000 Mann Besatzungstruppen noch deren Familien samt Zehntausenden Kindern nach Deutschland, die aus der deutschen Wirtschaft
ihre Lebensmittel zogen.

„In Baden-Baden, wo General König (inmitten eines verhungernden Volkes) mit dem Pomp eines Vizekönigs von Indien residiert, leben mehr Franzosen als Deutsche . . . Frankreich nutzt seine Zone als Übungsplatz für seine Armee aus, und die französischen Besatzungstruppen bringen nicht nur ihre Frauen und Kinder, Großmütter, Tanten, Geschwister und Vettern mit. Außer diesen Menschen, die alle auf Kosten der deutschen Wirtschaft leben, werden auch Kinder und Kriegsverletzte zum Erholungs- und Ferienaufenthalt nach Deutschland geschickt, wo sie mit riesigen Mengen von Milch, Butter, Eiern und allen sonstigen Nahrungsmitteln versorgt werden müssen.
Bis 1948 waren die Deutschen in dieser Zone buchstäblich am Verhungern.
Dann erhielten sie wenigstens etwas aus den Zuteilungen der amerikanischen ECA.“ (F. Utley, S. 282

Harry Soderbaum schreibt in seinen Lebenserinnerungen (deutsch bei Kiepenheuer & Witsch, Köln 1957, S. 336):

„In Deutschland herrschte [1946] das graue Elend . . . Hunger und Erschöpfung ließen die Deutschen nur mühselig dahinvegetieren. Man konnte kaum glauben, daß dieses verhungernde Volk einmal vor Energie gesprüht hatte . . . Es besorgte mich tief, meine deutschen Freunde in einem so kläglichen Zustande wiederzusehen . . . Was ich in Deutschland sah, übertraf meine schlimmsten Erwartungen. In jeder Familie standen die Mütter verzweifelt vor ihren leeren Kochtöpfen, umgeben von ihren vor Hunger weinenden Kindern, und warteten auf die Rückkehr ihrer Männer, die arbeitslos waren und auf dem Lande ein paar Kartoffeln aufzutreiben suchten. Die Kinder sahen entsetzlich abgemagert aus, hatten hohle Wangen, und ihre kleinen Gesichter spiegelten die dumpfe Hoffnungslosigkeit ihrer Mütter. Überall sah ich nur Leiden; das Schlimmste aber waren für mich die Kinder, die Unsägliches litten . . . Die Sieger aber und selbst viele Neutrale sahen in den deutschen Kindern nur ‚Otterngezücht‘.“

Die meisten Völker wären unter dem furchtbaren Druck der entsetzlichen Hungersnot und der entwürdigenden Behandlung durch die Alliierten der Verzweiflung anheimgefallen; sie wären zusammengebrochen und hätten sich aufgelöst. Nicht so das deutsche Volk, das zu den arbeitsamsten und fleißigsten, zu den ordnungsliebendsten und genügsamsten Völkern der Erde gehört. Mit spartanischer Genügsamkeit und verbissenem Lebenbehauptungswillen ertrugen die Deutschen die jahrelange furchtbare Hungersnot und die entsetzlichen Entbehrungen und arbeiteten mit einem damals fast zwecklos erscheinenden Mut inmitten der Trümmer der fast völlig zerstörten Städte unter dem Druck völliger Hoffnungslosigkeit am Aufbau eines neuen Lebens.

Voll Bewunderung für die deutschen Frauen in jener furchtbaren Zeit schreibt Freda Utley:

„Hier, inmitten von Schutt und Ruinen, inmitten eines großen Volkes, das Krieg, Niederlage und eine demütigende Behandlung als Verbrechernation auf ein asiatisches Existenzniveau heruntergedrückt haben; hier, wo die Kinder zerlumpt und barfuß gehen, wo sie aus kalten Schulräumen kommen, um in finsteren Kellerlöchern auf die von der Arbeit heimkehrende Mutter zu warten — nach einer Arbeit, gleich der chinesischer Kuli: Ziegel tragen, schwere Lasten tragen und ziehen, schwere Männerarbeit verrichten — hier findet man trotz Hunger, Entwürdigung und zermürbender Arbeit keine Verzweiflung, keinen Nihilismus oder zynischen Defaitismus und keine Eigensucht, sondern einen standhaften Glauben an den Wert westlicher Kultur — zu der das Volk Kants und Goethes so wesentliche Beiträge geleistet hatte.“

Die Basler Nachrichten veröffentlichten 1947 in Nr. 425 einen Bericht des Schweizers Peter Dürrenmatt über seinen langjährigen Studienaufenthalt in Deutschland, wohin er als Gastprofessor von den Engländern eingeladen war.

„Es wird immer erklärt, Deutschland müsse zur Demokratie erzogen werden. Wie soll je in einem Lande irgendeine demokratische Ordnung zu wirklichem Leben kommen, in dem das Besatzungsregime die öffentliche Moral, das Rechtsleben und die soziale Ordnung zerstört. Es ist geradezu niederschmetternd, in welchen Sumpf man Deutschland dadurch hineingestoßen hat, indem man es dem Verhungern preisgibt. Wer nicht Schwarzhandel in irgendeiner Form betreibt, ist zum Tode verurteilt. Jede Verantwortlichkeit und Moral im öffentlichen Leben wird dadurch vernichtet. Der Beamte, der nur von seinem Gehalte leben möchte, muß des Hungers sterben. Dabei war früher die unbestechliche, sorgfältig und selbstlos arbeitende Verwaltung für die Deutschen der Begriff des Staates. Der Hunger zerstört diesen Begriff vollkommen. Aber auch die Rechtsordnung als Grundlage der Demokratie wurde von der Besatzung vollkommen zerstört. Noch jetzt, im vierten Jahre der Besetzung, fehlt jede Rechsordnung absolut. In jeder Zone kommen täglich willkürliche, gegen jedes Völkerrecht und jedes Rechtsempfinden überhaupt verstoßende Gewalthandlungen vor. Kein Deutscher besitzt praktisch einen wirklichen Rechtsschutz. Wie soll in einem solchen Klima des Hungers, der Korruption und der Rechtlosigkeit die Demokratie gedeihen?“

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